Gesunde Natur aus Kostengründen zerstören? Kappeln an der Schlei tut dies :(

Die Natur spendet Leben, erhält uns am Leben und produziert den Sauerstoff, den wir atmen und speichert dafür CO2, von dem wir viel zu viel in der Atmosphäre haben, in ihrer Biomasse. Kurz und gut, ohne die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren, gäbe es kein Leben auf der Erde, auch nicht das menschliche!

Dies ist Grund genug dafür, die Natur zu achten und ihr genügend Raum zum Leben und Überleben zu geben? Momentan strengen wir Menschen uns leider immer noch viel zu sehr an, Weltmeister in Naturzerstörung zu bleiben und der Natur mehr und mehr Ressourcen zu entnehmen, um unseren unersättlichen Hunger nach materiellem Wohlstand zu stillen. Dabei übersehen wir allerdings, dass sich die Welt seit Beginn der Industrialisierung sehr stark verändert hat und nicht mehr nur einige Länder nach materiellem Wohlstand streben, sondern mehr oder weniger die gesamte und stetig wachsende Weltbevölkerung. Bisher übersehen wir dabei, dass eine unendliche Ressourcenentnahme auf einem endlichen Erdkörper nicht möglich ist.

Dieses Problem zeigte sich vor einigen Wochen exemplarisch in Kappeln an der Schlei, einem kleinen Küstenstädchen in der Nähe von Flensburg, im Hohen Norden Deutschlands. Dort wurden an der Bundesstraße B199, kurz vor Stadtbeginn, zwischen Bürgersteig und einem Fußballplatz, 24 gesunde Pappeln aus Kostengründen gefällt, siehe Titelbild. Die örtliche Umweltschutzinitiative Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU) zeigte sich entsetzt über diese Entscheidung von Kappelns Bürgermeister Traulsen, der für diese Maßnahme verantwortlich ist. Laut der Lokalzeitung Schlei-Boten kommentierte Traulsen die Fällung der Bäume wie folgt: “Die Untere Naturschutzbehörde hat die Bäume begutachtet und angeraten, sie zu fällen, weil sie zu viel Laub, Äste und Totholz abwerfen.”

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Die frisch gefällten Pappeln liegen an der Straße und sind in kleine Stücke zerteilt worden (Foto: Andreas Pfander)

Weiter heißt es im Artikel, dass bereits vor knapp zwei Jahren, im August 2014, der Umwelt- und Verkehrsausschuss die Zerstörung dieser Pappeln beschloss. Die Pressesprecherin der Unteren Naturschutzbehörde erklärte die Entscheidung zur Fällung der Pappeln im Schlei-Boten Artikel mit dem Alter der ehemaligen Pappeln von über 40 Jahren, das diese Bäume stark bruchgefährdet mache. Zudem sei die Höhe der Kosten zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit durch die Pflege der damaligen Pappeln unverhältnismäßig hoch gewesen. Obwohl sich beide Seiten einig darüber waren, dass diese Bäume für Kappeln orts- und landschaftsprägend waren, wurden sie gefällt. Dieter Rackow, Vorsitzender der IGU, beklagte hingegen, dass ein Baumfachmann weder Krankheit, noch Mängel bei der Verkehrssicherheit feststellte. Eva Heimsoth, eine weitere Aktivistin der IGU, ergänzt: “Die Pappeln sind ein enormer Lärm,- Emissions- und Windschutz.” Sie befürchtet, dass sich nach Fällung der Bäume da etwas ändert.

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Nach der Baumfällung 😦 (Foto: Andreas Pfander)

Andreas Pfander, ein weiterer Aktivist der IGU, merkt an, dass bei einer naturschutzrechtlichen Würdigung, kein ökonomisches Argument über Leben lassen oder fällen der Bäume, das Zünglein an der Waage sein sollte (Schlei-Bote).

Auch in der Stadt selbst, wurden am 10. Feb. 2016, drei gesunde Linden und eine Kastiane in der Hingenburgstraße gefällt. Dies wurde laut Schlei-Boten mit den Wurzeln der Bäume begründet, die den Bürgersteig zu Stolperfallen werden lassen könnten. Insgesamt wurden für diese und die Pappeln 36 neue Bäume gepflanzt. Das ist der IGU allerdings zu wenig. Sie verlangt für jeden gefällten Bäum 10 neue. “Da alles andere nicht klimaneutral sei”, sagte Eva Heimsoth. Die IGU wünscht sich wie im nahegelegenen Eckernförde, einen Umweltfachmann oder -frau in der Verwaltung, da man dieses sofort im Stadtbild erkennen könne.

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Das brutale Ende der Bäume in der Hindenburgstr. in Kappeln (Foto: Andreas Pfander)

Auch ich, Molina Gosch, die diesen Artikel schreibt, erinnere mich an den lauschigen Bürgersteig an der besagten B199, wo nun die Pappeln gefällt wurden. Damals bin ich dort öfter mit meinem Hund spazieren gegangen und habe mich immer über die schöne Umgebung mit der vielen Natur, die durch die Bäume zu beiden Seiten der Straße gegeben war, gefreut. “Dass man nun auf der Seite, wo zuvor die Pappeln standen, den hohen Zaun des Fußballplatzes sieht, finde ich bedauernswert, denn es ist doch auch die Natur, wegen der viele Touristen nach Kappeln kommen und die uns am Leben erhält”, sagte Molina Gosch zur Fällung der Pappeln. “Wir müssen unsere Denkweise bezüglich der Bedeutung von Ökologie und Ökonomie schnell überarbeiten, um auf diesem Planeten zu überleben. Wir haben die Erde nämlich von unseren Kindern nur geborgt.”

Weitere Infos zur IGU gibt es unter diesem Link.

Weitere Infos zur Stadt Kappeln gibt es unter diesem Link.

April 2016, Molina Gosch

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Der Rest von einem der gefällten Bäume in Kappeln an der Schlei. (Foto: Dr. Andreas Pfander)

Die beiden dazu veröffentlichten Artikel aus dem Schlei-Boten, der Lokalzeitung in Kappeln:

Schleibote 26-02-2016 klein

Schleibote 12-02-2016klein