Keine weiteren Frauenmorde in Nicaragua

Sandra Werner ist seit August 2014 in Nicaragua und arbeitet in der NGO Centro de la Mujer Masaya gegen häusliche Gewalt an Frauen. Dies sind ihre Eindrücke aus dem lateinamerikansichen Land:

„Wir dulden keine weiteren Frauenmorde“, hörte ich sie schon von Weitem rufen, als ich mich am 25. November 2014 auf den Weg zum Parque Central machte. Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen versammelten sich zahlreiche Frauenrechtsorganisationen in Masaya, um für eine gewaltfreie Gesellschaft zu demonstrieren und den Opfern der Frauenmorde zu gedenken.

Keine Frauenmorde

Logo und Forderung der Demonstration: „Keine weiteren Frauenmorde!“

Gewalt gegen Frauen gehört hier in Nicaragua fast schon zum alltäglichen Leben. Für viele Frauen ist es unvorstellbar allein und im Dunkeln auf die Straße zu gehen – und das zu Recht. Allein in 2014 wurden in Nicaragua schon 57 Frauenmorde offiziell von den nicaraguanischen Behörden verzeichnet.

Sandra 2.2

Demonstrationsteilnehmer mit Bannern im Parque Central in Masaya

Als Auslöser für die hohe Anzahl an Gewaltverbrechen gegen Frauen in Nicaragua werden vor allem der Machismo, der Alkoholkonsum und die fehlende Bildung gesehen. Gerade in den ländlichen Regionen sind viele Frauen fast wehrlos der Gewalt ihrer Ehemänner, Väter, Partner oder anderen Familienangehörigen ausgeliefert. Die Frauen haben kaum eine Chance sich gegen Gewaltverbrechen zu wehren. Bedingt durch ihre Wohnlage haben sie nur schwer Zugang zum Rechtssystem. Viele weibliche Opfer von Gewaltverbrechen schaffen es daher nicht ihre Peiniger bei den zuständigen Behörden zu melden. Dazu kommt dann auch noch der kulturelle Druck. Da viele nicaraguanische Frauen mit Gewalt aufgewachsen sind, finden die meisten Opfer von geschlechterspezifischen Gewaltverbrechen nur wenig Verständnis von ihren Familienangehörigen. Gerade in Fällen von interfamiliärer Gewalt vertreten viele die Einstellung: „Das musst du als Ehefrau aushalten! Tue es für deine Familie und die Kinder!“

Dass das eine falsche Einstellung ist, wird einigen Gewaltopfern erst durch intensive Gespräche mit PsychologInnen klar. Viele Frauen, die langjährige interfamiliäre Gewalt erfahren haben, müssen erst einmal verstehen, was sie sich selbst und ihrer Familie antun. Auch wenn Gewalt an Frauen nicht in allen Fällen zum Mord führt, so hinterlässt sie doch enorme Schäden im Leben der betroffenen Frauen und Kinder.

Viele nicaraguanische Frauen sind sich einig, dass es an der Zeit ist, gewaltvolle Straftaten aufzudecken, Frauenmorde zu verurteilen und Straftäter ins Gefängnis zu bringen.

Mit vereinten Kräften kämpften deswegen mehr als 3000 Frauen und Männer in Masaya für eine gewaltfreie Gesellschaft, die Frauen achtet und Gewaltverbrechen an Frauen nicht duldet. Genau das ist es, was viele nicaraguanische Frauenrechtsorganisationen schon seit langem von der Gesellschaft und der Regierung fordern: „Gerechtigkeit und die Anerkennung der Rechte der Frau!“

von Sandra Werner, Dezember 2014

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