Klimaerwärmung in Deutschland – Ergebnisse der Studie “Brennpunkte des Klimawandels in Deutschland”

Trotz vieler Lichtblicke beim Klimaschutz gibt es weltweit immer häufiger extreme Wetterereignisse, die durch die globale Klimaerwärmung nicht weniger werden.

Dr. Stephanie Groll hat im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen 2015 die Studie “Brennpunkte des Klimawandels in Deutschland” veröffentlicht.

Dies sind einige ihrer Ergebnisse, die ich besonders alarmierend finde:

  • Laut dem 5. Sachstandsbericht (AR5) des Weltklimarates (IPCC) ist es “sehr wahrscheinlich”, dass menschlicher Einfluss für die globale Erwärmung verantwortlich ist. Im Vergleich zum letzten Sachstandsbericht konnten mehr Nachweise für einen anthropogenen Klimawandel erbracht werden.
  • Die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind bereits in Deutschland zu spüren. Bis zur Mitte des Jahrhunderts rechnen KlimawissenschaftlerInnen unter anderem mit diesen Trends und Ergebnissen:
  1. Temperaturanstieg je nach Region und Saison um 1,5 bis 3,7 Grad C
  2. weniger Frosttage, mehr heiße Tage und mehr Tropennächte
  3. klimatische Wasserbilanz nimmt flächendeckend ab
  4. mehr und heftigere Niederschläge im Sommer als derzeit im Sommer
  5. weniger Niederschläge im Winter als derzeit im Winter
  6. im Vergleich zum Sommer heizt der Winter mehr auf
  7. Meeresspiegelanstieg im Mittel um 30 Zentimeter, regional deutlich höher
  • Schneefreie Alpen – Abschied vom Wintersport absehbar: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in den Alpen bis zur Mitte des Jahrhunderts eine  Erwärmung von 2 Grad C eintritt, bis 2080 ist ein Anstieg von 4 Grad C möglich (jeweils gegenüber dem Referenzzeitraum 1961-1990). Für den Wintersport in den bayrischen Alpen hat dies erhebliche Konsequenzen. Die dortigen Skiregionen liegen vergleichsweise niedrig. Bei einem Temperaturanstieg um 2 Grad C sind nur noch die höchst gelegenen Skigebiete Zugspitze und Nebenhorn natürlich schneesicher. Der Wintertourismus und insbesondere der Skitourismus ist für Alpenregionen des Freistaates ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Für kleine Gemeinden ist er wirtschaftlich prägend und existentiell wichtig.
  • Hitzestress in Städten: An heißen Sommertagen verwandeln sich Großstädte in Glutöfen. Selbst in der Nacht kühlt es sich nicht richtig ab. Die dichte Bebauung und das hohe Aufkommen am motorisierten Individualverkehr führen in den Innenstädten zu einer immensen Wärmeproduktion. Gebäude und Straßen speichern die Tageswärme. Die Städte bleiben heiß und im Vergleich zum Umland kann der Temperaturunterschied bis zu 10 Grad C betragen. Für Berlin konnte nachgewiesen werden, dass rund 5 % aller Todesfälle in den Jahren von 2001 bis 2010 statistisch mit erhöhten Lufttemperaturen korreliert sind.
  • Stromnot im Schwabenland: Atom- und Steinkohlekraftwerke, die zentralen Erzeugungskapazitäten im Ländle, benötigen das Wasser der vorbeifließenden Flüsse als Kühlwasser. Sind die Flüsse zu stark erwärmt und führen sie zu wenig Wasser, müssen die Kraftwerke abgeregelt werden. Im Rekordsommer 2003 mussten die Atomkraftwerke Obrigheim und Neckarwestheim II aus diesem Grund gleich ganz abgeschaltet werden. Extremwetterereignisse wie Hagel und Orkane könnten die “Stromautobahnen” zerstören.
  • Hallertauer Hopfen verhagelt: Im Hallertau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt, registrieren die Landwirte vermehrt Ernteausfälle durch Extremwetterereignisse wie Hagel und Starkregen. Gut die Hälfte des in Europa angebauten Hopfens und gut ein Drittel des weltweit angebauten Hopfens kommt von dort. Nicht nur dieser direkte Klimaschaden am hagel- und staunässeempfindlichen Hopfen macht den Bauern zu schaffen. Es sind auch die steigenden Versicherungsprämien, die in die Verkaufspreise einkalkuliert werden müssen.
  • Noch mehr Regen an Rhein und Ruhr: Die Hochwassergefahr nimmt zu, wenn sich in Süddeutschland und NRW selbst die Winterniederschläge intensivieren. Neben zunehmender Hochwassergefahr zeigt sich eine Tendenz der Zunahme von starken Winterstürmen und Tornados.
  • Kosten des Klimawandels in der EU: Bei einer Temperaturerhöhung um 3,5 Grad C zwischen 2071 und 2100 (gegenüber 1961 bis 1990) könnten Schäden in Höhe von 190 Milliarden Euro bis zum Jahr 2080 entstehen. Die größten ökonomischen Schäden würden für die menschliche Gesundheit entstehen (122 Milliarden Euro), gefolgt von Küstenregionen (42 Milliarden Euro) und der Landwirtschaft (18 Milliarden Euro) in Europa.
  • Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Klimawandelereignisse: Thermophysiologische Wärmebelastungen infolge von Hitzewellen sind jedoch nicht das einzige Gesundheitsproblem, welches sich durch den Klimawandel verschärfen kann. In Studien und Ratgeberliteratur werden auch diese Phänomene diskutiert:
  1. Effekte von Extremwetterereignissen: körperliche Schäden bis hin zu Todesfällen und psychische Schäden bis hin zu Depressionen durch Hochwasser, Überschwemmungen und Stürme
  2. Entwicklung von vektorvermittelten Infektionskankheiten: Erwärmung kann dazu führen, dass sich Krankheitserreger durch tierische Überträger (Vektoren) wie Stechmücken, Zecken und Wanzen eher verbreiten
  3. Ausbreitung von Allergenen durch Erwärmung: Die Pollenflugsaison hat sich in den letzten 30 Jahren um 10 bis 12 Tage verlängert, was Allergiker/innen zu schaffen machen dürfte. Hinzu kommt, dass bisher nicht heimische Pflanzen einwandern. Diese Neophten wie die aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie haben ein hohes Allergenes Potenzial
  4. Risiken durch erhöhte UV-Strahlung bzw. UN-Strahlen-Exposition: Die Anzahl an Hautkrebserkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen, sie verdoppelt sich alle 10 bis 15 Jahre. Jedoch liegt das nicht nur an einer intensiven UV-Strahlung, sondern auch einem veränderten Freizeitverhalten.

Weitere Infos zum Thema Folgen der Klimaerwärmung auf meinem Blog gibt es hier:

  1. Meeresspiegelanstieg & meine Heimat Kappeln an der Schlei
  2. Regenrekord: Münster unter Wasser
  3. Super-Taifun Haiyan trifft die Philippinen – ein (deutscher) Augenzeugenbericht
  4. Globale Erwärmung auch in Deutschland?
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