Klimaheldin erzählt von der Baggerblockade im Kohletagebau am 15.08.15

Da in der internationalen wie in der deutschen Klimapolitik viel zu wenig für den Klimaschutz getan wird, haben am Samstag, den 15. August 2015, hunderte KlimaheldInnen den größten Braunkohletagebau Europas, Garzweiler bei Köln, besetzt. Zwei Kohlebagger konnten für mehrere Stunden gestoppt werden. Um das Eindringen der ProtestlerInnen in die Kohlegrube zu verhindern, haben 1000 PolizistInnen und 800 RWE-Mitarbeiter sehr eng zusammengearbeitet und teils eine unangemessene Gewalt eingesetzt, um die KlimaheldInnen von der Grubenerstürmung abzuhalten. Trotz des massiven Einsatzes von Gewalt konnte die Polizei rund 1000 Demostranten nicht von der Kohlegrube fernhalten.  Insgesamt hat die Polizei 797 Strafanzeigen gestellt.

Jürgen Döschner vom WDR und ARD-Energieexperte nannte das RWE und Polizei-Vorgehen gegen Demonstranten “unangemessen und absurd”. 

Dies sind die Eindrücke von einer Klimaheldin, die an der mutigen Aktion von Ende Gelände zur Baggerblockade teilnahm:

1. Make a Difference: It’s our Future!: In welcher Gruppe (Finger) warst Du?

“Ich war im gelben Finger.”

2. Wie weit bist Du bei der Blockade genommen?

“Ich bin zuerst bis zu der Autobahnbrücke gekommen, die noch in Bau ist. Aus der Entfernung habe ich dort keine Polizeisperre gesehen. Als wir dann oben auf der Brücke ankamen, um die Autobahn unter uns zu überqueren, die zwischen dem Klimacamp und der Kohlegrube lag, standen plötzlich ca. 10 Polizisten da. Vor uns war der pinke Finger und ein Großteil des gelben Fingers bereits durch die Polizeisperre gekommen. Da wir im hinteren Teil des gelben Fingers waren, war bei uns bereits Verstärkung für die ersten 2-3 Polizisten auf der schmalen Brücke angekommen. Bei so einem Nadelöhr wie diese Brücke es war, reichten diese paar zusätzlichen Polizisten bereits, um die letzten 50 DemonstratInnen von der Überquerung der Brücke abzuhalten. Das lag zum großen Teil natürlich auch an der Gewalt, die die Polizei einsetzte, um uns am Weitergehen zu hindern. Die Polizei hat den (jungen) Menschen das Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Als ich an der Polizeisperre ankam, war das ein wirkliches Getümmel. Menschen lagen auf der Straße. Die Polizei schlug, sprühte mit Pfefferspray und haute mit Knüppeln um sich. An der Stelle bin ich zuerst nicht weitergekommen. Später hat sich ein kleiner Teil des restlichen gelben Fingers mit ca. 25 Menschen von einer Demo gegen Kohlekraft in Grubennähe abgesetzt. Durch diese Aktion bin ich doch noch bis in die riesige Kohlegrube gekommen.”

3. Wie hast Du die Polizei während der Aktion erlebt?

“Leider habe ich die Polizei viel zu aggressiv erlebt! Auf der Autobahnbrücke war ich sehr erschrocken über den massiven Gewalteinsatz der Polizei. Das war das erste Mal, dass ich sah wie jungen Menschen ohne jeglichen Schutz mutwillig Pfefferspray ins Gesicht gesprüht wurde, und das von der Institution, die eigentlich Menschen und nicht Firmen (wie in diesem Fall den Klimazerstörer RWE) schützen sollte.”

4. Hast Du Pfefferspray abgekommen oder wurdest Du verletzt?

“Ich habe kein Pfefferspray abgekommen. Das einzige, was mir passierte, war, dass ich mit einer kurzen Hose durch Brennnesseln lief und das dann noch ein paar Tage lang juckte.”

5. Was sind Deine stärksten Eindrücke von der Ende Gelände-Aktion?

“Natürlich steht an erster Stelle der unangebrachte und total überzogene, gewalttätige Polizeieinsatz, den ich nicht vergessen werde. Dann war es wirklich beeindruckend, die unvorstellbar weiten Entfernungen in der Kohlegrube zu erleben. Das Loch ist Kilometer lang. Wir sind in der Grube bestimmt 1 km gelaufen und hatten den Bagger immer noch nicht erreicht. Die Landschaftszerstörung durch den Kohletagebau ist also massiv. Dann hat mich die Aktion an sich sehr beeindruckt. Ich finde es fantastisch, dass “Ende Gelände” diese Aktion des zivilen Ungehorsams durchführte und so viele Menschen daran teilnahmen. Das war sehr beeinruckend!”

6. Findest Du, dass sich die Polizei angemessen verhalten hat?

“Nein, das finde ich nicht. Die Polizei sollte sich bei den DemonstrantInnen entschuldigen und RWE muss alle Strafanzeigen fallen lassen.”

7. Musst Du mit strafrechtlichen Folgen rechnen?

“Nein. Als wir in der Grube von der Polizei angehalten wurden, wurde uns angeboten, die Grube zu diesem Zeitpunkt zu verlassen und dadurch keine Personalien abgeben zu müssen und keine strafrechtlichen Folgen zu bekommen. Dieses Angebot habe ich angenommen. Ein RWE-Mitarbeiter hat uns dann aus der Grube zur Bundesstraße gefahren.”

8. Warum hast Du an der Blockade teilgenommen?

“Ich habe an der Blockade teilgenommen, weil ich von der Aktionsidee begeistert war und ein starkes Zeichen für den Klimaschutz und gegen den Kohleabbau setzen wollte. We have to keep it in the ground! Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland hat gezeigt, dass Protest gegen überholte und umweltUNfreundliche Energieerzeugung sehr erfolgreich sein kann. Das will ich nun auch für die Kohlekraft erreichen. Die Zeit für leere Worte beim Klimaschutz ist vorbei!”

9. Willst Du sonst noch etwas sagen?

“Diese Aktion zum Klimaschutz war eine Grenzerfahrung, die mir so noch nicht passiert ist. Ich fand es sehr mutig, dass auch Minderjährige daran teilgenommen haben und wünsche mir, dass bei der nächsten Grubenbesetzung noch viel mehr Menschen dabei sind. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird sich sonst die Erde um mehr als 2 Grad erwärmen. Das wollen wir besser nicht erleben.”

PS: Du warst bei der Blockade selbst dabei und willst von Deinen Eindrücken berichten und diese 9 Fragen auch beantworten? Dann lass es mich wissen! Ich stelle gern noch weitere Eindrücke von der Aktion online.

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