Ostseeküste im Klimawandel – Ergebnisse der Studie vom Norddeutschen Klimabüro

Das Norddeutsche Klimabüro hat 2012 zusammen mit dem Internationales BALTEX Sekretariat das Büchlein “Ostsee im Klimawandel” veröffentlicht.

Dies sind wichtige Ergebnisse der Studie:

  • Nach dem letzten Sachstandsbericht des UN-Weltklimarates IPCC (2007) hat sich die globale mittlere Temperatur im letzten Jahrhundert um ca 0,8 Grad C erhöht und die Schneedecke hat sich alleine auf der Nordhalbkugel um etwa 2 Mil. km² reduziert. Der globale mittlere Meeresspiegel ist im selben Zeitraum um ca. 20 angestiegen.
  • Die Ostsee hat sich erwärmt: Der Ostseeraum hat sich im vergangenen Jahrhundert bereits um etwa 0,85 Grad C erwärmt. Damit liegt die Erwärmung leicht über dem weltweiten Durchschnitt. Mit der Erwärmung hat sich auch die Häufigkeit extremer Temperaturen verändert. In einem Jahr gibt es heute an der deutschen Ostseeküste etwa zehn Sommertage (wärmer als 25 Grad C) mehr und etwa 20 Frosttage weniger als in den 1950er Jahren. Innerhalb des 20. Jahrhunderts hat zudem die Niederschlagsmenge in Nordeuropa zugenommen.
  • Erwärmung vor allem im Frühjahr, weniger Sommerregen: Insgesamt hat sich der Ostseeraum bisher am stärksten in den Frühlingsmonaten erwärmt. Während im nördlichen Ostseeeinzugsgebiet der Niederschlag ganzjährig zugenommen hat, wurde für die südliche Ostseeküste ein deutlicher Rückgang des Niederschlags im Sommer beobachtet.
  • Mehr Starkregen im Winter: Im Winter hat die Niederschlagsmenge im gesamten Ostseeraum am stärksten zugenommen, vor allem in Norwegen, Dänemark und Deutschland.
  • Weniger Eis im Meer: Je nach Region hat sich der Zeitraum, in dem die Ostsee innerhalb eines Jahres zufriert, im letzten Jahrhundert um etwa 14 bis 44 Tage verkürzt. Dies ist vor allem auf das verfrühte Schmelzen des Eises im Frühjahr zurückzuführen.
  • Steigender Meeresspiegel und häufigere Sturmfluten: Für die deutsche Ostseeküste ist neben diesen atmosphärischen Änderungen auch die Entwicklung von Wasserständen von großer Bedeutung. Da sich die Windverhältnisse über der Ostsee mit dem Klimawandel bisher nicht systematisch verändert haben, laufen Sturmfluten heute windbedingt nicht höher auf als vor 100 Jahren. Der Meeresspiegel ist in den letzten 100 Jahren weltweit durchschnittlich etwas zwei Dezimeter angestiegen. An der südlichen Ostseeküste ist der mittlere Wasserstand im selben Zeitraum ca. 14 cm angestiegen.
  • Küstenerosion – ein normaler Prozess: An der südwestlichen Ostseeküste werden Sande und andere lockere Sedimente stark abgetragen. Ein steigender Meeressiegel verschiebt das gesamte Küstenprofil landeinwärts. Gravierende Änderungen träten auf, wenn sich das Strandprofil versteilen oder sich die Sedimentzufuhr verringern würde. Dies könnte bei einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg der Fall sein.
  • Beschleunigte Erwärmung und stärkere Niederschläge: An der deutschen Ostseeküste müssen wir schon innerhalb der nächsten 30 Jahre mit einer Erwärmung von weiteren 0,5 bis 1,1 Grad C rechnen. Dies verdeutlicht, dass sich bei uns künftig die Erwärmung verstärken kann, denn eine Erwärmung dieser Größenordnung hat in der Vergangenheit etwa 100 Jahre gebraucht. Bis Ende des Jahrhunderts sind Erwärmungen zwischen 2,1 und 4,8 Grad C an der deutschen Ostseeküste plausibel. Außerdem weisen Klimarechnungen auf eine Zunahme des Niederschlags an der Ostseeküste hin.
  • Stärkste Erwärmung im Sommer plausibel: Im Sommer ist an der Ostseeküste künftig mit der stärksten Erwärmung zu rechnen. Die Klimaszenarien weisen bis Ende des Jahrhunderts auf eine mögliche Erwärmung von etwa 1,9 bis 5,1 Grad Celsius hin. Bis zum Ende des Jahrhunderts kann es dann verglichen mit heute sogar sieben bis 38 zusätzliche Sommertage an der Ostseeküste geben.
  • Erwärmung in Winter auch weiterhin zu erwarten: Auch im Winter kann es an der Ostseeküste bis Ende des Jahrhunderts etwa 1,9 bis 4,8 Grad C wärmer werden. In den nächsten 30 Jahren kann es pro Jahr bereits neun bis 23 Frosttage weniger geben. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden sie wahrscheinlich noch seltener: Im Vergleich zu heute kann sich die Anzahl da um etwa 18 bis 50 Frosttage verringern.
  • Schnee kann zur Seltenheit werden: Da sich aufgrund der Erwärmung der Schneeanteil stark reduzieren kann, ist damit zu rechnen, dass Niederschläge hauptsächlich als Regen fallen werden. Dann könnte Schnee eine Seltenheit werden.
  • Künftig stärkere Winde möglich: Obwohl sich das Windklima an der deutschen Ostseeküste bisher nicht systematisch geändert hat, weisen Klimarechnungen für die Zukunft darauf hin, dass die Stürme im Winter stärker werden können.
  • Beschleunigter Meeresspiegelanstieg möglich: Klimarechnungen für die Zukunft weisen darauf hin, dass der Meeresspiegelanstieg weltweit künftig stärker ansteigen kann als bisher. In den letzten Jahrzehnten ist der globale Meeresspiegel durchschnittlich bereits stärker angestiegen als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Das bedeutet, dass sich die durchschnittliche bisherige Anstiegsrate des letzten Jahrhunderts (2 Dezimeter) im nächsten Jahrhundert verdreifachen kann, mindestens aber gleich bleibt. Bis 2030 könnte der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt verglichen mit heute etwa ein bis zwei Dezimeter ansteigen. Außerdem können sich Schmelzprozesse in den großen Eisschilden Grönlands und der Antarktis so verstärken, dass sie den globalen Meeresspiegel zusätzlich ansteigen lassen. Insgesamt ist dann lauf Bericht des UN-Weltklimarates IPCC ein weltweiter Meeresspiegelanstieg von 2 bis 8 Dezimeter bis zum Ende des 21. Jahrhunderts plausibel. An der deutschen Ostseeküste ist bisher keine Beschleunigung im Meeresspiegelanstieg erkennbar. Trotzdem ist anzunehmen, dass der globale Meeresspiegelanstieg sich auch künftig auf die Wasserstände der südwestlichen Ostseeküste auswirken wird.
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Kappeln an der Schlei heißt Ende des Jahrhunderts hoffentlich nicht Kappeln in der Schlei