Ungeahnter, alltäglicher Luxus in Deutschland

by Molina Gosch, Oktober 2013

Als ich in diesem Sommer nach meinem fast dreimonatigen Aufenthalt im Norden des Irakes nach Europa zurückkam – die Strecke Istanbul – Europa bin ich mit Bus und Bahn gefahren, um auf das Flugzeug zu verzichten –  ist mir erneut aufgefallen, in was für einem luxeriösen Reichtum und Überfluss wir in Deutschland leben (können).

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Wir leben in einer Welt unermesslichen Reichtums, den wir häufig gar nicht mehr als solchen wahrnehmen. Wir genießen dieses außergewöhnliche Privileg, ohne dass uns dessen unglaubliches Ausmaß häufig bewusst ist.

Damit meine ich nicht nur den materiellen Luxus, sondern auch andere Gegebenheiten in Deutschland, dessen Werte mir vor meinem jetzigem Aufenthalt im außer-europäischen Ausland nicht derart bedeutend vorkamen.

Bei materiellem Luxus beziehe ich mich zum Beispiel auf die große Vielfalt und Werten an Gebäuden und Infrastruktur alleine, über die wir in unserer Heimat verfügen. Mein erster Spazierung nach meiner Rückkehr durch Münster versetzte mich ins Staunen, als ich die gute Qualität und den materiellen Reichtum dieser Provinzstadt sah, den ich vor meinem Aufenthalt so gar nicht mehr wahrgenommen hatte.

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Im Irak gibt es natürlich auch sehr schicke Häuser, aber das Gesamtbild von Häusern und der Zustand unserer Infrastruktur hat ein viel höheres Niveau als es in Kurdistan der Fall ist.

Innenstadt  5

Durch meine Erfahrungen im Irak ist mir auch bewusst geworden, dass wir in Deutschland Reichtümer besitzen, die nicht aus Geld bestehen, die aber trotzdem unschätzbar wertvoll sind. Zum einen denke ich da an das hohe Maß an Sicherheit, das wir in Deutschland haben. Sicherheit ist nämlich ein unvorstellbar wertvolles Gut. Welche internationale Firma investiert gern in ein Land, in dem es eine unsichere Lage gibt? Zum anderen besitzen wir in Deutschland kulturelle Schätze, die mir im Irak fehlten, wie zum Beispiel die Gleichstellung der Frauen.

Ein weiteres Gut, das wir in Deutschland als gegeben hinnehmen und im Irak zum Beispeil im Alltag der Menschen kaum eine Rolle spielt, ist Holz. Dieser vermeintlich so unbedeutene Rohstoff kommt in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistans, kaum vor, es sei denn, es wurde teuer als der Türkei importiert. Tische, Stühle oder Bänke aus Holz gibt es dort fast nicht, alles wird als Plastik hergestellt. Das Trinkwasser kommt dort auch nicht aus dem Hahn, sondern aus Plastikflaschen.

Ein weiterer sehr wichtiger Schatz, den wir in Deutschland (noch) haben und dessen man sich häufig gar nicht bewusst ist, ist unser gemäßtigtes Klima. Im Irak habe ich nämlich erlebt, dass ein paar Grad wärmer – wie man es sich in Deutschland öfters so träumerisch vorstellt, auf Dauer gar nicht so angenehm sind. Denn bei über 40 Grad im Schatten, wird einem schnell bewusst wie angenehm doch ein gemäßgites Klima wie zum Beispiel in Deutschland ist.

Sonnenuntergang

Vor 17 Uhr wollte mensch in Erbil bei dieser Hitze am besten das kühlere Haus gar nicht verlassen. Wobei kühler hier zwischen 25 und 35 Grad bedeutet, jenachdem ob mensch eine Klimaanlage besitzt und benutzt oder nicht. Denn nicht jeder kann dieses wichtige Gerät verweden. Zu einem entscheidet die finanzielle Situation der Menschen, ob mensch sich eine energieintensive Klimaanlage leisten kann oder nicht. Zum anderen steigt im Sommer der Stromverbrauch, wenn die Menschen, die eine oder mehrere Klimaanlagen besitzen, diese anmachen und damit das Stromnetz überlasten, sodass der öffentliche Strom ausfällt. Bis der Strom vom Generator, den jedes Wohnviertel betreibt im Haus ankommt, können schon mal ein oder zwei Stunden vergehen, in denen man keinen Strom im Haus hat.

Ein paar Grad wärmer bedeuten also nicht nur Sommer, Sonne, Sonnenschein. Stattdessen konnte ich mich bei diesen Temperaturen nicht mehr auf meine Master-Arbeit konzentrieren. Nach mehreren Tagen mit 36 – 37 Grad im ersten Stock, habe ich meinen Arbeitsplatz ins Wohnzimmer im Erdgeschoss verlagert, wo sich die einzige Klimaanlage im Haus befand. Dort konnte ich die Zimmertemperatur auf 25-28 Grad herunterkühlen. Ich war überrascht darüber, wie anstrengend ein zu heißes Klima sein kann! Wenn mir diese Temperaturen durch den Klimawandel auch in Deutschland drohen, will ich es nicht haben.

43Grad

Ein weiteres unvorstellbares Gut, dessen ich mir in Deutschland vorher nicht bewusst war, war mein ungestörter Schlaf. Ja, dieses kleine Detail bekam eine ausgesprochen wichtige Bedeutung für mich in Erbil. Obwohl Erbil ein wüstentrockenes Klima hat, musste ich mich wochenlang jeden Tag von sehr aggressiven Mücken vom Schlaf abhalten lassen. Sobald ich das Licht ausmachte (eigentlich auch schon davor), kamen die Mücken (jede Nacht mindestens 5-10 Tiere), und stachen mich, wenn ich sie nicht zuerst erwischte. Nach einigen unausgeschlafenden Nächten, malte ich mir aus, wie sehr ich es in Deutschland genießen würde nachts einzuschlafen und von keiner Mücke angefallen zu werden. Erst als ich ein Moskitonetz geschenkt bekam (im Baumarkt hatten sie keine), konnte ich endlich wieder durchschlafen und wusste, dass die vielen Mücken, die über dem Netz umherflogen, mir nichts mehr anhaben konnten. Selbst am Tag stachen mich die hungrigen Mücken, sodass ich auch unter dem Moskitonetz arbeitete, siehe Foto.

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Diese extreme und sehr trockene Hitze hatte auch seine Vorteile. Zum Beispiel war die nasse Wäsche innerhalb von höchstens einer Stunde getrocknet. Außerdem strahlte die Sonne vom wolkenfreien Himmel. Das war natürlich sehr gut für die persönliche Stimmung. Allerdings war diese Sonneneinstrahlung häufig so stark, dass ich es nicht lange in der Sonne ausgehalten habe und lieber einen Platz im Schatten aufsuchte.

Ich will mit diesen Erfahrungen darauf aufmerksam machen in welchen luxeriösen Verhältnissen sehr, sehr viele Menschen in Deutschalnd kulturell, sozial, finanziell und klimatisch leben (können). Bedingungen, die wir häufig – in unserem alltäglichen Leben – gar nicht mehr als außergewöhnliche Lebensumstände wahrnehmen, die sie aber sind, auch wirtschaftlich!

Die extremen Lebensbedindungen im Irak haben mir gezeigt, wie angenehm wir es haben, wenn man alleine die klimatischen Bedingunen beider Länder miteinader vergleicht. In Deutschland leben wir in so angenehmen  Verhältnissen, von denen sehr, sehr vielen Menschen nur träumen können. Dessen sollten wir uns bewusst sein, denn unser Lebenstil bringt nicht nur eine hohe Lebensqualität für uns mit sich, sondern auch große Verantwortung. Es ist diese Verantwortung, die wir viel besser ausfüllen können, zum Beispiel wenn es um weltweite Herausforderungen wie der globalen Erwarmung geht!

Die Hitze, die ich im Irak erfahren habe, wünsche ich mir nicht für Deutschland. Das bedeutete nämlich, dass wir, neben vielen anderen negativen Auswirkungen, zum Beispiel die grüne Natur und Landschaft in unseren Breitengraden im Sommer verlieren würden.

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Der größte Teil der Pflanzen würde gnadenlos von der Sonne ausgetrocknet und Felder könnten ab Mai nur bewirtschaftet werden, wenn sie sehr intensiv mit Wasser versorgt werden würden.

DSCI2074  Picknick

Schafe

Unser Leben, so wir wie es in Deutschland kennen, würde nicht mehr existieren. Deshalb ist es an der Zeit sich dem Handlungsdruck der globalen Erwärmung zu stellen und Verantwortung zu übernehmen!!! Worauf warten wir noch?

Kind

Viele Menschen leben eher unter Lebensbedingungen wie dieses kleine Mädchen in einem Slum in Kolumbien als wir es in Deutschland tun.

Dabei sind wir es in unseren luxeriösen Lebensbedingungen in Deutschland, die die Kraft zum Wandel haben!

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Mehr Infos zu meinem Besuch in einem Barrio in Bucaramanga/Kolumbien unter: https://changeyourworldnow.wordpress.com/kolumbien/)

Mehr Infos zu meinem Alltag in Kurdistan/Irak: https://changeyourworldnow.wordpress.com/alltag-in-kurdistanirak/

Mein Besuch im syrischen Flüchtlingslager in Kurdistan/Irak: https://changeyourworldnow.wordpress.com/visit-of-the-syrian-refugee-camp-in-the-syrian-iraqi-kurdish-border-area/

Reisen per Bus & Bahn von Norddeutschland nach Istanbul: https://changeyourworldnow.wordpress.com/reisen-ohne-flugzeug/

Reisen per Bus von Istanbul nach Düsseldorf: https://changeyourworldnow.wordpress.com/ruckfahrt-istanbul-koln/

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